Hundertjähriger Krieg: Vertrag von Troyes, 1420
und Zustände in Frankreich 1422


Auszug aus "Der Vertrag von Troyes", 1420
6. Nach unserem Tod [Karl VI], und von dieser Zeit an, sollen die Krone und das Königreich von Frankreich mit all ihren Rechten und Privilegien auf unseren Sohn [Schwiegersohn], König Heinrich [von England] und seine Erben übergehen.
7. ...Die Macht und Amtsgewalt, zu regieren und die öffentlichen Angelegenheiten des genannten Königreiches zu kontrollieren, sollen während unserer Lebenszeit auf unseren Sohn König Heinrich übertragen werden, mit dem Rat der Adligen und weisen Männer, die uns untertan sind, und denen am Fortschritt und der Ehre des besagten Königreichs gelegen ist...
24. ...[Man ist überein gekommen] daß die zwei Königreiche von der Zeit an, zu der unser genannter Sohn oder seine Erben sich die Krone aufsetzen, nicht von zwei verschiedenen Königen zur selben Zeit regiert werden sollen, sondern von einer Person, die König und Landesherr von beiden Königreichen sein soll, und alle Gelöbnisse einhalten soll und alle anderen Dinge; jedem Königreich seine Rechte, Freiheiten oder Sitten, Gebräuche und Gesetze, und in keiner Weise ein Königreich dem anderen unterwerfen soll.
29. Unter Berücksichtigung der furchterregenden und verblüffenden Verbrechen und Missetaten, die von Karl, dem genannten Dauphin, gegen das Königreich Frankreich begangen wurden, sind wir überein gekommen, daß wir, unser Sohn Heinrich und auch unser sehr teurer Sohn Philip, Herzog von Burgund, niemals einen Friedensvertrag mit genanntem Karl anstreben werden.
Quelle:
aus F. A. Ogg, A Source Book of Medieval History (New York, 1907), S. 443.


Zustände in Frankreich, ca. 1422
Karl VI war tot, Karl VII war seinem Vater im Jahre unseres Herren 1422 auf den Thron des Königreichs gefolgt, als er zweiundzwanzig Jahre alt war. In seiner Zeit, infolge der langen Kriege die im Land und außerhalb gewütet hatten, der Lethargie und Feigheit der Offiziere und Kommandeure unter ihm, der Zerstörung aller militärischen Disziplin und Ordnung, der Raubgier der Kavalleristen, und der generellen Auflösung, in die alle Dinge geraten waren, war eine solche Zertörung von der Loire bis zur Seine -- sogar bis zur Somme -- übers Land gekommen, die Bauern waren tot oder geflohen, und fast alle Felder hatten viele Jahre ohne Bestellung oder jemanden, der sie bestellte, brach gelegen.
---------- Falls noch Bearbeitung in [der Champagne, Brie, Chartres, Perche, Beauvais, etc.] stattfand, konnte das nur nahe den Orten, Städten, oder Burgen passieren, nicht weiter weg als die Wache sehen konnte, wenn sie auf einem hohen Ausguck stand, von wo man Räuber sehen konnte, wenn sie sich näherten. Dann würde denen auf dem Feld oder in Weinberg mit einer Glocke oder einem Jagdhorn Alarm gegeben, damit sie sich an einen sicheren Platz retten konnten. An manchen Orten passierte das so oft, daß, sobald die Ochsen und Zugtiere losgemacht wurden nachdem man das Signal der Wache gehört hatte, sie von langer Erfahrung gelehrt, in einem Zustand des Schreckens an einen sicheren Ort rannten. Selbst die Schweine und Schafe taten dasselbe.
Quelle
aus Quellen der Vatikanischen Archive,  in J. H. Robinson, Readings in European History (Boston: 1904), S. 443.

Letzte Änderung 30/09/04


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